KI-Sichtbarkeit kaufen: drei Fragen, bevor Sie zahlen
Wenn Sie heute nach „KI-Sichtbarkeit“ oder „GEO-Agentur“ suchen, finden Sie auf Seite eins und zwei bei Google rund zwanzig Anbieter. Fast alle versprechen dasselbe: Ihre Marke soll in den Antworten von ChatGPT, Perplexity und Gemini vorkommen. Wie sie das messen, was es kostet und ob Sie die Messung je zu Gesicht bekommen, steht bei den meisten nicht auf der Seite.
Wir haben das am 3. September 2026 nachgezählt. Die Zahlen unten stammen aus dieser Stichprobe, und am Ende steht, was sie nicht aussagen.
Was wir gezählt haben
Grundlage waren zehn deutsche Google-Ergebnisseiten, je Seite eins und zwei für fünf Suchbegriffe rund um KI-Sichtbarkeit. Daraus ergaben sich zwanzig Anbieter mit deutschsprachigem Angebot für Unternehmen. Die Liste stand fest, bevor wir eine einzige Website im Detail gelesen haben. Sonst hätten wir unbewusst die Anbieter ausgewählt, die zu unserem Ergebnis passen.
Für jeden Anbieter haben wir drei Dinge geprüft, jeweils mit wörtlichem Beleg und Adresse der Fundstelle:
| Frage | Anbieter mit „ja“ |
|---|---|
| Steht ein Preis für die bezahlte Leistung auf der Website? | 4 von 20 |
| Ist die Messung so beschrieben, dass Sie sie nachmachen können (zumindest in einem Teilbereich)? | 1 von 20 |
| Bekommen Sie die Rohdaten, also Fragen und Antworten im Wortlaut? | 1 von 20 |
| Alle drei zugleich | 0 von 20 |
Ein kostenloser Schnellcheck zählte dabei nicht als Preis. Vier Anbieter bieten so einen Check an, ohne zu sagen, was die Leistung danach kostet. Und ein Dashboard mit Kurven zählte nicht als Rohdaten. Ein Dashboard zeigt Ihnen, was der Anbieter ausgewertet hat. Rohdaten zeigen Ihnen, woraus er das ausgewertet hat.
Frage 1: Was kostet es?
Sechzehn der zwanzig Anbieter nennen keinen Preis für die bezahlte Leistung; vier davon bieten nur einen kostenlosen Schnellcheck an. Sie erfahren den Preis im Gespräch, nachdem der Anbieter Sie eingeschätzt hat. Das ist bei Beratung üblich und nicht verwerflich. Es bedeutet aber, dass Sie zwei Anbieter erst vergleichen können, wenn Sie mit beiden telefoniert haben.
Ein Auftraggeber schrieb im Mai in einem Forum, er hätte gern schon im Vorgespräch gewusst, dass sein Budget für das Vorhaben nicht reicht. Genau das verhindert ein Preis auf der Seite: Sie sortieren aus, bevor jemand Ihre Zeit gebunden hat.
Fragen Sie deshalb als Erstes nach einer Zahl. Wer Ihnen daraufhin ein Gespräch anbietet statt einer Spanne, sagt Ihnen damit etwas über sein Preismodell.
Frage 2: Wie messen Sie das, und kann ich das nachmachen?
Alle zwanzig Anbieter beschreiben ihre Messung. Neunzehn tun es so, dass Sie sie nicht wiederholen können. Es fehlt fast immer dasselbe: die Fragen im Wortlaut, die Zahl der Durchläufe und die Version des jeweiligen KI-Systems.
Warum das zählt: KI-Antworten schwanken. Dieselbe Frage bringt am Montag eine andere Liste als am Mittwoch. Wer Ihnen eine Zahl liefert, ohne zu sagen, wann und wie oft gefragt wurde, liefert eine Momentaufnahme mit dem Anstrich einer Messung. Sie können sie weder prüfen noch in einem Monat vergleichen.
Ein Anbieter in der Stichprobe legt einen Teil seines Messaufbaus offen: die Fragen, die Systeme, der monatliche Takt, dazu der Hinweis, für jeden Durchlauf einen neuen Chat ohne Verlauf zu öffnen. So sieht Nachprüfbarkeit aus. Fragen Sie jeden Anbieter, ob er Ihnen die Fragen vorab nennt. Wenn ja, stellen Sie sie selbst. Wie das in einer Viertelstunde geht, haben wir aufgeschrieben.
Frage 3: Bekomme ich die Rohdaten?
Das ist die Frage, bei der die meisten Anbieter überrascht reagieren dürften, weil sie selten gestellt wird. Nur einer von zwanzig sagt einen Datenexport zu, und zwar im teuersten Softwaretarif. Die übrigen liefern Berichte, Dashboards oder Gespräche.
Rohdaten heißt: jede gestellte Frage, jede Antwort im vollen Wortlaut, mit Datum und Systemversion. Erst damit können Sie eine Zahl im Bericht selbst nachrechnen. Ohne sie vertrauen Sie darauf, dass der Anbieter richtig gezählt hat. Wir haben in unserer eigenen Arbeit erlebt, wie eine Doppelzählung aus sechs Treffern siebzehn machte. Aufgefallen ist das nur, weil die Rohdaten daneben lagen.
Fragen Sie: „Bekomme ich Fragen und Antworten im Wortlaut als Datei?“ Ein Anbieter, der sauber misst, hat diese Datei ohnehin. Er muss sie Ihnen nur geben.
Wie Sie das in zehn Minuten prüfen
Sie brauchen dafür kein Gespräch. Öffnen Sie die Leistungsseite des Anbieters und suchen Sie mit der Browser-Suchfunktion nach „€“ oder „Euro“. Suchen Sie danach nach „Rohdaten“, „Export“ und „CSV“. Lesen Sie zum Schluss den Abschnitt zur Methode und prüfen Sie, ob dort eine Frage im Wortlaut steht. Drei Suchläufe, zwei Minuten je Anbieter.
Bei uns sieht das so aus: Der Preis für das KI-Sichtbarkeits-Audit steht auf der Seite, die drei Fragen stehen dort im Wortlaut, und die Rohdaten gehören zum Bericht. Wir haben diese Seite gebaut, nachdem wir die Stichprobe ausgewertet hatten, und wir haben sie nach denselben drei Fragen geprüft, die wir hier an andere stellen.
Was diese Zahlen nicht sagen
Zwanzig Anbieter sind eine Stichprobe, keine Marktübersicht. Wer auf Seite drei bei Google steht, fehlt. Websites ändern sich, und ein Anbieter, der heute keinen Preis nennt, kann ihn morgen nennen. Die Zahlen gelten für den 3. September 2026.
Die drei Fragen sagen außerdem nichts über die Qualität der Beratung. Ein Anbieter kann seinen Preis verschweigen und trotzdem gute Arbeit leisten. Die Fragen zeigen Ihnen nur, wie viel Sie vor dem Kauf nachprüfen können, und wie viel Sie glauben müssen.
Die vollständige Liste mit allen Fundstellen und Zitaten halten wir vor. Wer sie sehen will, schreibt an hello@mk-media.eu. Wir bewerten darin keinen Anbieter, wir zitieren nur, was auf seiner Website steht.