84 Seiten geprüft: eine war intern unauffindbar
Der Befund
Wir haben unsere eigene Website vermessen: alle 84 Seiten abgerufen und gezählt, wer auf wen verweist. Eine Seite hatte am Ende eine Null stehen. Keine einzige andere Seite verlinkte sie aus dem Inhalt heraus. Sie existierte, sie lud, sie stand in der Sitemap — und war innerhalb der Website trotzdem nicht erreichbar.
Solche Seiten heißen im Fachjargon verwaist. Sie entstehen nicht durch Nachlässigkeit, sondern durch Wachstum: Eine Seite wird für einen Anlass gebaut, der Anlass vergeht, die Seite bleibt. Bei uns war es eine Standortseite für eine Nachbarstadt.
Warum das teuer ist
Suchmaschinen bewerten die Bedeutung einer Seite auch danach, wie oft und von wo aus innerhalb derselben Website auf sie verwiesen wird. Eine Seite ohne einen einzigen internen Verweis sendet das Signal, dass sie dem Betreiber selbst unwichtig ist.
Ein verbreiteter Irrtum ist, die Sitemap löse das. Sie tut es nicht. Eine Sitemap ist ein Vorschlag: hier sind meine Adressen. Sie sagt nichts darüber, welche davon wichtig sind. Das sagen nur die Verweise im Inhalt.
Der Fehler, der uns fast entgangen wäre
Nachdem wir die fehlenden Verweise gesetzt hatten, liefen wir die Messung erneut. Für unser Glossar meldete das Werkzeug weiterhin genau einen eingehenden Link — obwohl wir gerade vier neue gesetzt hatten und im Quelltext der Zielseiten nachgesehen hatten, dass sie dort stehen.
Die Ursache lag im Zähler. Er suchte nach Verweisen der Form
href="/glossar.html". Unsere neuen Links zeigten aber auf einzelne
Begriffe: href="/glossar.html#roas". Für den Zähler war das eine andere
Adresse, also zählte er sie nicht. Fünf Links wurden als einer gemeldet.
| Seite | Zähler meldete | tatsächlich |
|---|---|---|
| Glossar | 1 Verweis | 5 Verweise |
| verwaiste Standortseite | 0 Verweise | 0 Verweise (richtig) |
Hätten wir dem Werkzeug geglaubt, hätten wir weitere Links gesetzt, die niemand braucht — und dabei geflucht, dass die Zahl sich nicht bewegt. Ein Prüfwerkzeug, das zu wenig findet, sieht aus wie ein Befund. Es ist aber nur eine Lücke in der Messung.
Die Konsequenz war kein neues Werkzeug, sondern ein Selbsttest davor. Der Zähler bekommt jetzt vor jedem Lauf eine Beispielseite vorgesetzt, auf der ein normaler Link und ein Link mit Sprungmarke stehen. Erkennt er nicht beide, bricht er ab, statt eine Zahl auszugeben. Denselben Ansatz beschreiben wir an einem anderen Beispiel in warum guter Content nicht rankt: Die falsche Messung war dort teurer als das Problem selbst.
Was wir geändert haben
Elf Verweise, jeder an einer Stelle, an der er inhaltlich passt. Die Standortseite ist jetzt aus dem Text der Nachbarstadt-Seite erreichbar. Fachbegriffe wie ROAS oder Schema-Markup führen beim ersten Vorkommen ins Glossar, und zwar direkt auf den jeweiligen Eintrag statt auf den Seitenanfang.
Was wir nicht gemacht haben, ist genauso wichtig: Ein Vorschlag flog wieder raus. Dort stand im Text bereits „Return on Ad Spend (ROAS)“ — die Erklärung war also schon da, ein Verweis aufs Glossar hätte nichts hinzugefügt. Links, die nichts erklären, verwässern die übrigen.
So prüfen Sie das an Ihrer eigenen Website
- Zählen Sie Verweise nur aus dem Inhalt, nicht aus Navigation und Fußzeile. Die stehen auf jeder Seite und würden jede Seite gleich wichtig aussehen lassen. Ein so gebauter Zähler verdeckt genau den Fall, den er finden soll.
- Suchen Sie nach Nullen. Jede Seite ohne einen einzigen inhaltlichen Verweis gehört auf eine Liste. Ein Impressum darf dort stehen, ein Angebot nicht.
- Zählen Sie Sprungmarken zum Ziel. Ein Verweis auf
/glossar.html#roasist ein Verweis auf das Glossar. Wer nur exakte Adressen vergleicht, misst zu niedrig. - Setzen Sie Links in Sätze, nicht in Listen am Seitenende. Ein Verweis mitten im Text wird gelesen und geklickt, eine Linksammlung darunter nicht.
- Messen Sie danach erneut — und prüfen Sie vorher, ob Ihr Werkzeug eine bekannte Änderung überhaupt sehen kann.
Was diese Zahlen nicht sagen
84 Seiten sind eine kleine Website. Bei mehreren tausend Seiten sind einzelne verwaiste Seiten normal und nicht wirtschaftlich zu vermeiden; dort geht es um Anteile, nicht um Einzelfälle. Unsere Zahl ist deshalb kein Maßstab für Ihre Website.
Wir können außerdem nicht belegen, dass die Standortseite wegen der fehlenden Verweise schlecht lief. Belegt ist nur, dass sie intern unerreichbar war. Ob und wie stark sich das auf ihre Sichtbarkeit auswirkt, zeigt erst eine Messung über die nächsten Wochen — und die steht noch aus.
Warum wir das öffentlich schreiben
Weil die interessantere Hälfte dieser Geschichte nicht die verwaiste Seite ist, sondern das Werkzeug, das vier von fünf Verweisen übersah. Prüfwerkzeuge werden geglaubt, gerade wenn sie unauffällige Zahlen liefern.
Wenn Ihnen jemand einen Website-Prüfbericht vorlegt, ist die nützlichste Rückfrage deshalb nicht „was habt ihr gefunden“, sondern: Woran haben Sie geprüft, dass das Werkzeug überhaupt findet, was da ist? Ohne diesen Nachweis ist ein sauberer Bericht und ein blindes Werkzeug von außen nicht zu unterscheiden.
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Wir sehen uns die interne Verlinkung Ihrer Website einmal an und sagen Ihnen, was auffällt — kostenlos und auch dann, wenn daraus kein Auftrag wird. Schreiben Sie an hello@mk-media.eu.