Warum guter Content nicht rankt — 80 % der Suchanfragen sind für Ratgeber gesperrt
Die Vorprüfung sah hervorragend aus. Wir hatten sie falsch gerechnet.
Wir wollten in eine neue Nische einsteigen und haben sie vorher gemessen. Der erste Befund las sich wie ein Freifahrtschein: 301.000 Suchanfragen im Monat, und auf den interessantesten Fragen stand kein einziges großes Medium auf Seite 1.
Der beste Einzelfund war eine Frage mit 2.400 Suchanfragen monatlich, auf der weder Stiftung Warentest noch CHIP noch eine Redaktion auftauchte. Wir hatten das als Chance notiert. Das war der Fehler.
Die zweite Messung hat den erreichbaren Markt auf ein Achtel zusammenschrumpfen lassen. Beide Läufe zusammen kosteten 0,40 US-Dollar.
Was wir gemessen haben
Statt einer Handvoll Beispielfragen haben wir die Nische vollständig aufgenommen: 3.003 verwandte Suchbegriffe, daraus 107 echte Kauffragen mit mindestens 90 Anfragen im Monat. Für jede dieser Fragen haben wir angesehen, was Google dort tatsächlich anzeigt.
| Was auf Seite 1 steht | Fragen | Anfragen/Monat | Anteil |
|---|---|---|---|
| Shops — für Ratgeber gesperrt | 52 | 167.540 | 80 % |
| Ratgeber möglich | 41 | 38.460 | 18 % |
| Von Redaktionen besetzt | 14 | 3.370 | 2 % |
Vier Fünftel des Suchvolumens liegen auf Fragen, bei denen Google Produktseiten ausspielt. Dort gewinnt kein Ratgeber, egal wie gut er geschrieben ist. Nicht weil er zu schwach wäre, sondern weil er der falsche Ergebnistyp ist.
Der Denkfehler, der uns fast eine Portalgründung gekostet hätte
Die übliche Konkurrenzanalyse fragt: Wer steht auf Seite 1, und komme ich an dem vorbei? Sie zählt große Marken. Findet sie keine, meldet sie eine Lücke.
Genau das ist bei unserer Bestfrage passiert. Null große Medien, dafür drei Shops in den Top 3. Unser Werkzeug zählte nur Redaktionen, also wertete es die Shops als freies Feld und meldete 95 Prozent des Marktes als erreichbar.
Richtig gelesen sagt derselbe Befund das Gegenteil. Wenn Google auf eine Frage ausschließlich Shops zeigt, hat Google entschieden, dass Menschen dort kaufen wollen und nicht lesen. Ein Ratgeber beantwortet dann eine Frage, die niemand gestellt hat.
Kein großes Medium auf Seite 1 ist keine offene Tür. Es kann auch eine verschlossene sein. Welches von beidem, entscheidet sich daran, wer stattdessen dort steht.
Der zweite Fehler: doppelt gezähltes Volumen
In der ersten Auswertung, die nur die 30 größten Fragen umfasste, steckte derselbe Suchbegriff zweimal: einmal zusammengeschrieben, einmal getrennt, mit jeweils 135.000 Anfragen. Zusammen waren das 82 Prozent dieser Teilsumme. Nach dem Zusammenfassen blieben von 329.380 gezählten Anfragen noch 191.100 übrig.
Solche Schreibvarianten liefert jedes Keyword-Werkzeug getrennt aus, weil Google sie getrennt zählt. Wer die Liste ungeprüft aufsummiert, verkauft sich selbst einen Markt, den es nur einmal gibt.
Die vier Ergebnistypen, nach denen Sie sortieren sollten
Bevor Sie Themen planen, klassifizieren Sie jede Frage nach dem, was Google ausspielt. Vier Fälle reichen:
- Shop-Ergebnisse. Nur Händler und Marktplätze in den Top 3. Ein Ratgeber rankt hier praktisch nicht. Wenn Sie an diese Kaufabsicht wollen, brauchen Sie eine Produkt- oder Angebotsseite, keinen Text.
- Ratgeber möglich. Mindestens ein redaktioneller Treffer oder ein Forum steht in den Top 3. Google akzeptiert hier erklärende Inhalte. Das ist Ihr Feld.
- Von Redaktionen besetzt. Drei oder mehr große Marken in den Top 10. Möglich, aber teuer. Für den Anfang die schlechteste Wahl.
- Forum oder Reddit auf Seite 1. Das stärkste Positivsignal überhaupt. Google findet dort nichts Besseres als ein Laiengespräch. Eine saubere, belegte Antwort hat an dieser Stelle die realistischste Chance.
So prüfen Sie es selbst, ohne Werkzeug
- Suchen Sie die Frage im anonymen Fenster, damit Ihre eigene Historie das Ergebnis nicht verfälscht.
- Sehen Sie sich nur die ersten drei Treffer an. Shop, Redaktion, Ratgeber oder Forum? Diese drei entscheiden über den Typ.
- Fassen Sie Schreibvarianten zusammen, bevor Sie Anfragen addieren.
- Notieren Sie das Datum. Suchergebnisse verschieben sich. Eine Messung ohne Datum ist eine Erinnerung.
- Planen Sie zuerst die Fragen mit Forum in den Top 3. Dort ist die Lücke belegt und nicht vermutet.
Was diese Messung nicht sagt
Sie sagt nicht, dass die verbleibenden 18 Prozent leicht zu gewinnen wären. Auf den größten dieser Fragen sitzen Stiftung Warentest, CHIP, NDR und ADAC. Angreifbar sind die Plätze darunter, und auch das kostet Zeit.
Sie sagt auch nichts über Ihre Nische. Die Verteilung 80 zu 18 zu 2 stammt aus einer Produktkategorie mit hoher Kaufabsicht. Bei erklärungsbedürftigen Themen ohne direkten Kauf verschiebt sich das Bild deutlich, oft zugunsten der Ratgeber. Messen Sie Ihre eigene Kategorie, statt unsere Zahl zu übernehmen.
Und sie ersetzt keine Prüfung der Wirtschaftlichkeit. Erreichbarer Traffic ist eine Voraussetzung, kein Ertrag.
Warum wir das öffentlich schreiben
Weil der Fehler unserer war. Unser eigenes Werkzeug hat einen Markt gemeldet, den es so nicht gibt, und wir hätten auf dieser Grundlage ein Portal aufgebaut. Aufgefallen ist es nicht durch Vorsicht, sondern durch eine zweite Messung mit einer besseren Frage.
Wer Ihnen eine Keyword- oder Content-Analyse liefert, sollte Ihnen sagen können, welchen Ergebnistyp Google auf jeder einzelnen Frage ausspielt und an welchem Tag das geprüft wurde. Eine Liste aus Suchvolumen und Schwierigkeitsgrad allein beantwortet die entscheidende Frage nicht. Dieselbe Prüfhaltung empfehlen wir bei der Frage, ob KI-Systeme Ihre Marke nennen — dafür gibt es eine Anleitung zum Selbstprüfen in 15 Minuten.
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Fragen zur Methode beantworten wir schriftlich und kostenlos, auch wenn daraus kein Auftrag wird. Schreiben Sie an hello@mk-media.eu.